Die alte Ulme

Es steht eine uralte Ulme
auf dem Erlhof vor unserem Haus.
Es ragt ihr mächtiger Gipfel
hoch über das Hausdach hinaus.

Gepflanzt hat sie einst wohl mein Urahn,
als hier er sein Haus hat erbaut.
Schön länger als 200 Jahre
hat hinunter ins Tal sie geschaut.

Sie reckt ihre knorrigen Äste
wohl über den Hofraum so weit.
Sie könnte so vieles erzählen
aus längst schon vergangener Zeit.

Erzählen von all jenen Menschen,
die in ihrem Schatten gelebt,
von ihren Freuden und Leiden,
von allem, wonach sie gestrebt,

von Kindern, die einst hier geboren,
die damals gespielt um das Haus
und wie sie erwachsen geworden
und zogen ins Leben hinaus.

Erzählen von freudigen Tagen,
erzählen von Kummer und Not,
erzählen von Mühen und Plagen,
erzählen von Krankheit und Tod.

Auch ich habe in ihrem Schatten
die Tage der Jugend verbracht.
Hier hab' ich im Sande gespielt einst.
Hier hab' ich geweint und gelacht.

Wie schnell ist die Zeit doch vergangen.
Die Jahre sie flogen so fort.
Bin selber ein Greis nun geworden.
Doch die Ulme steht immer noch dort.

Karl Tröster, geb. 1920 in Erlhof


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